Fotos und einen Bericht zu unserem Seminar in Terezin findet ihr hier:
http://servitus09.wordpress.com/2010/01/16/zimni-seminar-v-terezine-2010/
Fotos und einen Bericht zu unserem Seminar in Terezin findet ihr hier:
http://servitus09.wordpress.com/2010/01/16/zimni-seminar-v-terezine-2010/
Veröffentlicht in Uncategorized | Kommentar schreiben »
Vier Wochen ist es jetzt fast her, dass mich beim Blick auf den Kalender der Schlag getroffen hat: In einer Woche beginnt die Adventszeit und ich bin hier, so weit weg von zu Hause, von unserem warmen Ofen, von Räucherkerzen, Weihnachtsliedern und Mamas Stollen – kurz von all dem, was ich mit weihnachtlicher Gemütlichkeit verbinde. Ein Blick durch unsere Wohnung hier zeigte alles andere als Wärme und Besinnlichkeit. So kann das nicht weitergehen, dachte ich mir, und trat den Kampf um die Wehnachtstimmung an.
Mein erster Akt war es, schon einmal vor dem ersten Advent eine Runde Plätzchen zu backen, denn wenn es nach Weihnachten riecht, ist schon mal viel gewonnen. Dann machte ich mich auf den Weg, um Rohmaterialien für Weihnachtsdekoration zu kaufen: Tannenzweige, Kerzen, Schleifband, Orangen, Zimtstangen, Nelken – sogar in eine Lichterkette habe ich investiert. Darauf folgte ein Abend, der mit Basteleien gefüllt war. Es entstand ein Adventskranz, Fensterschmuck, Tischlichter… So geschmückt konnte die Adventzeit beginnen!
…Erst eins…
Den ersten Advent musste ich zum Glück nicht allein feiern. Ich hatte drei Tagesgäste. Meine Mitfreiwilligen Silvia und Suse aus Brno und Konstantin aus Ostrava waren zu Besuch, eigentlich um um 16 Uhr auf den Turm der Moritzkirche zu steigen und einmal Olomouc von oben im Dunkeln zu betrachten. Daraus wurde dann allerdings nichts, weil wir mit anderen Dingen beschäftigt waren, nämlich mit Plätzchenbacken. Für Silvia extra vegane. (Die waren erstaunlich lecker, dafür dass man alles, was Plätzchen eigentlich so ausmacht (Milch, Eier, Butter) durch andere Sachen ersetzt!). Da das Backen mit unserem Ofen nicht so schnell geht, waren wir um 17 Uhr, als der Turm geschlossen wurde, immer noch nicht fertig. Dafür weihten wir aber später noch den Weihnachtsmarkt ein, der wenige Tage zuvor seine Buden auf unserem schönen Horni Namesti (oberer Platz) eröffnet hatte. Der Olomoucer Weihnachtsmarkt ist übrigens bekannt für seine Fülle an Punsch-Ständen, es gibt Irischen Punsch, Französischen Punsch, Moravischen Punsch, Wiener Punsch, natürlich Olomoucer Punsch … Hätten wir alle durchprobiert, wären die anderen an diesem Abend nicht mehr heil nach Hause gekommen!
…dann zwei…
Für den zweiten Advent folgte dann die Gegeneinladung nach Brno. Botond, ein Unger, der in einem kleinen Dorf in der Nähe von Brno Freiwilliger ist, hatte am Samstag Geburtstag und so reisten Freiwillige aus dem ganzen Land an, um mit ihm zu feiern.
Der obligatorische Weihnachtsmarktvergleich fiel übrigens eindeutig zu Gunsten des Olomoucer Weihnachtsmarktes aus. Der Weihnachtsmarkt in Brno ist zwar größer, dafür aber für meinen Geschmack zu kitschig und grell beleuchtet. Und man konnte trotz unzähliger Fressbuden keine gebrannten Mandeln kaufen!
Interessant war, am Samstagabend (5.Dezember) durch die Stadt zu laufen: Denn es liefen einem ständig Nikoläuse, Engel und Teufel über den Weg. In Tschechien ist es nämlich Tradition, wie ich mich hinterher von meiner Mitbewohnerin aufklären hab lassen, dass am Vorabend des Nikolaustag verkleidete Kinder durch die Straßen ziehen und Süßigkeiten an kleinere Kinder verteilen. Der Nikolaus hat dabei eine Liste mit den „Sünden“ der Kleinen, der Teufel straft und der Engel tröstet. Und die glücklichen Eltern geben den Boten vielleicht etwas Geld…
…dann drei…
Auf den dritten Advent habe ich schon lange hingefiebert. Der Tag mit unserem großen Weihnachtskonzert mit dem Chor! Was hat mir dieses Wochenende im Vornherein Kopfzerbrechen bereitet! Es waren mal wieder zu viele Veranstaltungen an einem Wochenende: Das Konzert, ein Reise zum Wiener Weihnachtsmarkt mit ein paar anderen Freiwilligen, die Chanuka Feier in der Jüdischen Gemeinde… Besonders um letzteres tat es mir sehr Leid, als ich mich schließlich dazu entschlossen hatte, es abzusagen, denn wie oft hat man schon die Möglichkeit als nicht Gemeindemitglied an Chanuka teilzunehmen?
Trotzdem habe ich meine Entscheidung nicht bereut. Es war ein wirklich wunderschönes und sehr weihnachtliches Konzert, das uns Sängern allen viel Spaß gemacht hat. Und das ganze wurde dadurch verstärkt, dass Almut und Finja aus Prag zum Zuhören gekommen sind. Man nimmt ein Konzert gleich ganz anders war, wenn Menschen im Publikum sitzen, die man kennt und die einem hinterher sagen, wie es ihnen gefallen hat!
Das Konzert war aber nur der Abschluss eines durch und durch schönen Wochenendes! Eines meiner Ideen für die Verweihnachtlichung unserer Wohnung war, ein Lebkuchenhaus zu backen. Aber das bringt in Tschechien ungeahnte Schwierigkeiten mit sich! So war es, als ich endlich herausgefunden hatte, was „Lebkuchengewürz“ auf Tschechisch heißt und das man Pottasche auch durch Backpulver ersetzen kann (denn die gibt es hier nicht einmal bei „Kaufland“, wo es sonst eigentlich alles gibt!), schon Freitag vor dem dritten Advent. Deshalb machte ich mich dann aber gleich mit vollem Elan ans Werk und buk am Freitag alle Grundteile, die man für so ein Häuschen braucht. Als ich damit fertig war, war es leider schon weit nach Mitternacht, so dass ich mein Werk nicht mehr vollenden konnte, da ich am Samstag für die Generalprobe früh aufstehen musste. Ein Glück, würde ich jetzt sagen! Denn direkt nach der Chorprobe konnte ich Almut und Finja vom Bahnhof abholen, die beschlossen hatten, nach drei Monaten Großstadtleben einmal für ein Wochenende Ferien auf dem „Land“ zu machen. Und als wir nach einer ausgiebigen Stadtführung, drei Stunden Seele baumeln lassen in meiner Lieblingsteestube und einen langen Bummel über den Weihnachtsmarkt, feststellten, dass uns für alle weiteren Außenaktivitäten eindeutig zu kalt wäre, beschlossen wir unseren Aktionismus nun nach drinnen zu verlegen. So begannen wir das Häuschen aufzubauen. Auf kaum eine andere Weise hätte der Abend so lustig werden können! Wir klecksten und klebten bis spät in die Nacht herein und als wir unsere Werkzeuge schließlich niederlegten, konnten wir wirklich stolz auf unser Werk sein. Trotzdem gab es natürlich noch ein paar Verbesserungsideen und deshalb haben wir beschlossen, aus diesem Abend ein jährliches Ritual zu machen, um unsere Kunst weiter zu verfeinern. Der dritte Advent 2010 ist in unseren Kalendern schon vorgemerkt!
…dann vier…
Am vierten Advent bin ich schon zu Hause in Berlin. Dann habe ich endlich die Gemütlichkeit, die ich trotz aller Bemühungen hier natürlich nicht erreichen konnte. Aber habe ich sie in den letzten Wochen überhaupt noch vermisst?
…dann steht das Christkind vor der Tür!…
Und mit ihm meine Schwestern, Verwandten und Freunde!
…Und wenn das fünfte Lichtlein brennt…
…bin ich schon wieder auf dem Weg zurück nach Olomouc, um zusammen mit meinen Berliner und Lübecker Freunden ein hoffentlich wunderschönes Silvester zu feiern!
Veröffentlicht in Uncategorized | Kommentar schreiben »
Es gibt verschiedene Arten Ferien zu haben: In den letzten Jahren habe ich schulbedingt zwei kennen gelernt: Ferien haben und in der Welt herumreisen und Ferien haben und einfach zu Hause sein und die Seele baumeln lassen (und vielleicht ab und zu ein paar Hausaufgaben, Referate oder ähnliches vorbereiten). In den letzten zwei Wochen habe ich aber noch eine dritte Art erlebt: Ferien haben, obwohl man voll arbeitet. Bei mir wurde dieses Gefühl durch eine Reihe von Besuchern ausgelöst, die sich in letzter Zeit hier die Klinke in die Hand gegeben haben.
Da wären zuerst einmal meine Eltern. Wie schon lange vor meiner Abreise geplant, reisten Mama, Papa und Jan (mein Bruder) am 17.Oktober mit meiner Geige, meinem Fahrrad, einer großen Tüte Wintersachen und einer Vorratsladung alten Gouda (den es hier komischer Weise im Supermarkt nicht zu kaufen gibt) in Olomouc an. Für die Zeit hier hatten sie sich eine Ferienwohnung gemietet, so dass ich mit Sack und Pack für eine Woche zu ihnen ziehen konnte. Was für ein schönes Gefühl mal wieder mit anderen zusammen zu frühstücken! Und jemanden zu haben, der dich freudig empfängt, wenn du nach der Arbeit nach Hause kommst! Und einen Bruder zu haben, der abends nörgelt, wenn man zu lange liest!
Obwohl ich in der Woche weiterhin meine Klienten besucht habe und ganz normal zu Spolu gegangen bin, blieb trotzdem Zeit für eine ausgiebige Stadtführung, ein paar Ausflüge in die nähere Umgebung und ein Konzertbesuch (eine französische Klezmer-Gruppe namens „Glick“ – musikalisch und auch sonst echt beeindruckend!). Das beste kommt für gewöhnlich am Schluss: So besuchten wir am Samstag vor der Heimreise meiner Eltern Burg Bouzov , eine Burg, die aussieht, als wäre sie direkt einem Märchen entsprungen (was verschiedene Filmemacher wohl auch fes
tgestellt haben müssen, denn sie nutzten sie als Kulisse für viele der alten tschechischen Märchenfilme). Am Tag war die Burg schon sehr beeindruckend, aber erst bei Nacht! Denn an dem Abend wurden Besucher von Dämonen durch das kerzenbeleuchtete Schloss geführt, wo plötzlich Menschen hinter Geheimtüren in der Wand verschwanden und Rüstungen arglos Vorbeigehende erschreckten. Es wäre eine gute Einstimmung auf Halloween gewesen, wenn nicht Tschechien zu einem der wenigen glücklichen Länder gehören würde, die von dem Grusel-Wahn des 31. Oktobers noch nicht erfasst wurde!
Am Tag darauf musste ich meine Eltern wieder ziehen lassen und ich muss sagen, dass es mir nicht leicht gefallen ist. Aber zum Glück hatte ich nicht lange Zeit zum traurig sein, denn für denselben Abend hatte sich, ziemlich spontan, schon der nächste Besuch angekündigt: Jette hatte beschlossen, dass ihr Herbstferien nur in Berlin zu langweilig wären, und sich prompt eine Fahrkarte nach Olomouc gekauft (ab 19 € sind Sie dabei!). So konnte ich gleich noch einmal mit meiner wunderschönen Stadt angeben und außerdem lange Nachmittage in meiner Lieblingsteestube bei Tee und Knabberzeug mit vielseitige
n ausschweifenden Gesprächen verbringen. Das war natürlich nur eins der vielen Dinge, mit denen wir uns hier die Zeit vertrieben haben: Wir waren Schwimmen und im Ballet, haben eine meiner Klientinnen gemeinsam besucht, haben zusammen gekocht und Filme geschaut und viele viele Runden Kniffel gespielt…Da am Mittwoch hier Feiertag war (1.Unabhängigkeit der Tschechoslowakei 1918) konnten wir die gemeinsame Zeit also voll ausnutzen.
Und noch während Jette hier war, meldeten sich bereits zwei weitere potenzielle Besucher für das Wochenende und das kurz nacheinander: Zuerst kam Tomi, mein ungarischer Mitfreiwilliger aus Brno, der seine Familie zu Besuch hatte und ihnen die schönste Stadt Mährens natürlich nicht vorenthalten wollte (obwohl er als Brnoer das vielleicht etwas anders formulieren würde…). So spielte ich also am Samstag (gestern) eine Runde Turistenführer und stellte die Attraktionen dieser herrlichen Stadt in (nicht ganz so herrlichem) Englisch vor. Zum Glück war das Wetter auf meiner Seite, so dass Tomis Familie bestimmt ein gutes Bild von Olomouc mit zurück nach Ungarn nimmt.
So gern ich meine Stadt auch habe, wenn man dreimal hintereinander die gleiche Stadtführung macht, hat man doch irgendwann genug. Und so war ich erst gar nicht begeistert, bei der Vorstellung, dass heute Friedemann und Sascha kommen (meine Mitfreiwilligen aus Terezin) und ich die ganze Tour noch mal machen muss. Aber auch diesmal spielte mir das Wetter in die Hände: Dicke Nebel verhüllten heute morgen die Stadt und eine lausige nasse Kälte hatte sich breit gemacht. Sascha und Friedemann war nach nur zwei Stunden Schlaf (sie kamen gerade von den Freiwilligen aus Auschwitz) eh nicht so nach Stadterkunden zu Mute und so verbrachten wir den Nachmittag mit einem lang gestreckten Mittagessen in der Gaststätte, im Olomoucer Moderne Kunst Museum und bei Tee und Kuchen in unserer Wohnung. Dabei gingen unsere Gesprächsthemen von der Aufarbeitung des Zweiten Weltkriegs in Österreich und Deutschland bis hin zu der Frage, ob die Marienverehrung in der katholischen Kirche eine Ausdrucksform der unterdrückten Sexualtriebe sei. Deshalb war es eigentlich schade, als die beiden um 17 Uhr dann schon wieder zurückfuhren (mit einem Zug später als geplant), aber sie mussten dringend ins Bett.
Ja, so könnte es mit den Ferien weitergehen! Aber vielleicht in anderer Form. Denn das nächste Wochenende werde ich bestimmt nicht in Olomouc verbringen!
Veröffentlicht in Uncategorized | Kommentar schreiben »
Viel Zeit ist bisher vergangen und was ich so gemacht habe, kann man bald unter “Was bisher geschah” nachlesen, aber ich dachte, ich fange lieber an, die aktuellsten Ereignisse zu schildern, weil ich sonst gar nicht vorwärts komme.
Vor zwei Wochen hatte ich Besuch aus Brno, Silvia, auch ASF-Freiwillige, war da, um mein schönes Olomouc zu besichtigen. Natürlich konnte ich sie schon nach kurzer Zeit davon überzeugen, dass Olomouc wesentlich schöner ist als Brno, auch wenn sie das nie zugeben würde.
Es war ein sehr lustiges Wochenende, an dem wir unter anderem (fast) alle Türme von Olomouc bestiegen, veganen Kuchen gebacken und gegessen haben, im Kino in einem deutschen Film (“Devaty den – Der neunte Tag” Sehr zu empfehlen!) und auch am Sonntag im Gottesdienst waren.
Von der Predigt habe ich, wie zu erwarten war, gar nichts verstanden, so dass ich die Zeit nutzte, um darüber nachzudenken, wie man sich am besten in so eine Gemeinde integrieren könnte. Am besten würde sich dafür eine Gruppe anbieten, aber eine die nicht so sprachlastig wäre und wo man gemeinsam etwas macht. Ein Chor! – Mit diesem Gedanken fand auch die Predigt ihr Ende und es stand – zu meiner großen Verwunderung – eine Gruppe von Menschen auf, die gemeinsam ein paar Lieder sangen.
Silvia und ich wollten nach dem Gottesdienst die Chance natürlich gleich nutzen. Aber das mit der Tschechischen Kommunikation ist noch so eine Sache… Ich hätte wahrscheinlich noch stundenlang im Flur gestanden, ehe ich mich getraut hätte, irgendjemanden anzusprechen, aber Silvia fasste sich kurzerhand ein Herz und sprach den nächstbesten Jungen, von dem wir wussten, dass er im Chor singt, an. Leider klang das, was sie gesagt hat, wahrscheinlich irgendwie so: “Sie fill gehen zukor.” Und da die meisten Tschechen überhaupt nicht gewohnt sind, dass jemand mit Akzent redet, musste sie es ungefähr dreimal wiederholen, ehe er verstanden hat, was wir von ihm wollen. Dann reagierte er aber schnell und holte das einzige Chormitglied, dass ein wenig Deutsch spricht. Der hat mich dann herzlich eingeladen und jetzt habe ich also jeden Mittwoch um 20 Uhr Chorprobe.
Das erste Mal habe ich schon hinter mir und es hat richtig Spaß gemacht! (Auch wenn auf Tschechisch singen gefährlich für die Zunge ist!) Außerdem wurde ich sehr nett aufgenommen: Es wurde mir gleich von mehreren angeboten, mich nach Hause zu fahren und meine Nebensitzerin hat mit mir Adressen getauscht, um mich mal zum Mittagessen einzuladen. Ich freue mich auf die nächsten Male!
Veröffentlicht in Uncategorized | 1 Kommentar »